Exploring Switzerland: Die schönsten Plätze der Schweiz auf einer YouMo e-Bike Tour entdecken

Oh du wunderschöne Schweiz! Das dachte sich auch unser Freund Reto Frischknecht und beschloss, sich mit YouMo auf eine spannende Fahrradreise durch die Kantone zu begeben und die schönsten Plätze der Schweiz zu besuchen. Und was wäre eine solche E-Bike Tour ohne die Möglichkeit, alle Eindrücke und Erlebnisse mit der Welt zu teilen!

Auf unserem Blog findet ihr seine Tagesberichte, Fotos und die aktuelle Route. Verfolgt Reto bei seinem Abenteuer und entdeckt gemeinsam mit ihm die Schweiz auf eine neue Art!

Testtag 28.05.2017

 

-65 Kilometer, rund 400 Höhenmeter

 

Tour: Unterohringen – Thalheim an der Thur – Ossingen – Trüllikon – Benken – Laufen Uhwiesen – Rheinfall – Schaffhausen – Feuerthalen – Laufen Uhwiesen – Benken – Andelfingen – Humikon – Henggart – Hettlingen – Unterohringen

Batterien gebraucht:       

Nachdem ich am Donnerstag den ganzen Nachmittag beschäftigt war, die sieben Sachen für meine Schweiz Tour zu packen, ging’s am Sonntag Nachmittag los auf die Testfahrt mit dem ganzen Gepäck. Ziel dieser «kleineren» Testfahrt war es, das Gepäck und das YouMo auf Herz und Nieren zu prüfen. Zum Glück war wunderbares Velowetter, und so wie es aussieht, werde ich auch die nächsten Tage mit viel Sonnenschein verwöhnt. Da ich am Vorabend noch an einem Festival war, ging’s erst am Nachmittag um zwei los, zum Glück ohne grossen Kater vom Vorabend. Von Unterohringen, meinem Zuhause aus, ging es los durch das dünn besiedelte Zürcher Weinland entlang der Thur zum Rheinfall nach Laufen Uhwiesen. Den grössten Teil absolvierte ich auf markierten Velowegen und auf Nebenstrassen mit wenig Verkehr.

Vorallem vom Ort Gütighausen (bis jetzt war mir der Ort völlig unbekannt) war ich angetan. Direkt neben der Thurbrücke Gütighausen, laden diverse Badeplätze zum Verweilen an der Thur ein. Zudem habe ich mir sagen lassen, dass der Campingplatz Gütighausen wunderschön sein muss. Für alle Campingliebhaber sicher mal einen Stopp wert während dem Sommer. Nach rund 1 ½ Stunden auf dem YouMo mit der kleinstmöglichsten elektrischen Unterstützung erreichte ich den Rheinfall in Neuhausen. Wie erwartet an einem solch wunderschönen Sonntag waren überall Touristen, vor allem viele aus Indien und China. Ich cruiste mit dem Bike entlag der Aussichtsplattform und zog fast mehr Blicke auf mich als der Rheinfall

selbst. Nach kurzem Zwischenstopp beim Rheinfall nahm ich Kurs nach Schaffhausen. Vor allem die schöne Altstadt in Schaffhausen mit den vielen Restaurant und Sitzmöglichkeiten in den Gassen laden zum Verweilen ein. Ein kurzer Abstecher rauf zum Munot, dem Wahrzeichen vom Schaffhausen war für mich ein Muss. Mit dem YouMo war auch die Steigung kein Problem. Oben auf dem Munot angekommen, genoss ich die Abendstimmung auf Schaffhausen. Da ich noch vor Abendeinbruch wieder in Unterohringen ankommen wollte, blieb mir jedoch nicht lange Zeit, und so trat ich meinen Rückweg an.

Ich wählte eine andere Rückfahrroute, da ich das ganze Weinland erkunden wollte. Nach Benken nahm ich den Abstecher nach rechts Richtung Andelfingen. Vor allem die typischen Bauernhäuser mit den rotbemalten Riegeln sind überall in den kleineren Dörfern im Weinland zu sehen. Auch in Andelfingen gibt es viele solcher traditioneller Häuser zu bestaunen. Gemäss den Ortskundingen soll auch Marthalen diesbezüglich einen Besuch wert sein. Nach der Dorfdurchfahrt nahm ich den letzten Abschnitt meiner Testtour in Angriff.

Von Humikon geht es auf einem schönen Veloweg direkt durch die Dörfer Henggart,

Hettlingen zurück nach Unterohringen. Nach rund 3 h Fahrzeit und rund 65 absolvierten Testkilometern kam ich am abends wieder wohl in Unterohringen an. Es kann nach diesem Materialtest nun definitiv mit der richtigen Tour losgehen.

Tag 1: 28.05.2018 Erster Tag, Erste Panne

-109,3 Kilometer, rund 1150 Höhenmeter

-22,7 km/h Durchschnitt

 

Tour: Unterohringen – Neftenbach – Dättlikon- Freienstein Teufen – Eglisau – Rheinsfelden – Weiach – Kaiserstuhl – Hohentengen am Hochrhein –  Fisisbach – Rümikon – Mellikon – Rekingen – Bad Zurzach – Tegerfelden – Unterendingen – Würenlingen – Laufohr – Brugg – Umiken – Schinznach Bad – Lenzburg – Egliswil – Allswil – Birwil – Beinwil am See – Mosen – Aesch – Meisterschwanden – Bettwil

Batterien gebraucht:       

 

Jaaa, heute ist es endlich soweit – meine eBike-Tour durch die Schweiz startet bei strahlendem Sonnenschein!

Der erste Teil der Fahrrad-Route führt mich über einen geführten Veloweg bis nach Freienstein Teufen. Von Freienstein Teufen gibt es eine kurze Abfahrt an die Tössegg, wo die Töss in den Rhein fließt. Dieser wunderschöne Platz mit Restaurant und Schiffsanlegestelle lädt sehr zum Verweilen ein, ich jedoch will nach dem obligatorischen Foto-Stopp mit dem YouMo gleich weiter, entlang dem Rhein auf einem Kies-Veloweg nach Eglisau. Bis jetzt läuft alles nach Plan, und ich komme mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h gut voran.

Doch auf der Strecke nach Weiach passiert es: Ich bemerke, dass mein rechtes Pedal schräg steht und sich aus dem Pedalscharnier löst. Ich kann nicht mehr mit Kraft treten. Also sofort Notstopp und versuchen, das Pedal mit meinem eigenen Werkzeug zu reparieren. Da ich nicht mit großem Werkzeug ausgestattet bin, suche ich per Smartphone den nächsten Velomechaniker, der rund 4km entfernt in Hohentegen am Hochrhein in Deutschland liegt. Dank voller Batterieunterstützung kann ich mit nur einem Bein in die Pedale treten und den Abstecher Richtung Deutschland schnell bewältigen. Rund 1,5 km nach der Grenze fahre ich bei Schneider Bikes vor. Obwohl das Gewinde leicht beschädigt ist, können sie das Pedal in kurzer Zeit reparieren, so dass ich nach nur ½ Stunde weiterfahren kann.

Den Abstecher nach Deutschland nutze ich und fahre beim kleinen Schweizer Dörfchen Kaiserstuhl AG vorbei, das mit seinen althistorischen Gebäuden unter Denkmalschutz sehr viel Charme für einen kurzen Besuch ausstrahlt. Wie ich später im Internet erfahre, ist Kaiserstuhl mit 0,32 km2 die kleinste Gemeinde des Kantons Aargau und gehört zusammen mit Gottlieben und Rivaz (ebenfalls 0,32 km2) zu den kleinsten Gemeinden der Schweiz.

Nach dem obliganten Foto im schmucken Städchen nehme ich Kurs Richtung Bad Zurzach, das in der Schweiz vorallem für sein Thermalbad und den Tierpark bekannt ist. Von Bad Zurzach aus folgt ein kurzer Aufstieg mit rasanter Abfahrt nach Tegerfelden. Von dort aus quer durch den Kanton Aargau  bis Brugg. Von Brugg bis Schinznach Bad fahre ich einen schönen Veloweg entlag der Aare. Nach Schinznach Bad ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Lenzburg, wo ich eigentlich das Schloss Lenzburg besichtigen möchte. Da es jedoch schon nach 17 Uhr ist, werde ich die Besichtigung auf morgen verschieben und heute noch die Umfahrung des Hallwillersee in Angriff nehmen.

Bei Seengen, der nördlichsten Gemeinde am Hallwillersee ,mache ich noch einen kurzen Fotostopp beim berühmten Schloss Hallwyl. Danach gehts auf die Umfahrung, bei Aesch mache ich einen kurzen Stopp und suche mir die Übernachtung für heute Abend aus und werde fündig bei einem schmucken Bed and Breakfast auf einem Bauernhof in Bettwil. Nach Meisterschwanden folgt also mein letzter Aufstieg von heute in das höchstgelegene Dorf im Kanton Aargau. Nach rund 5 Stunden auf dem Sattel mit müden Beinen freue ich mich auf eine Dusche und die verdiente Nachtruhe.

Tag 2: 29.05.2018 Im Basel-Land gibt es Pässe?!

 

-106,5 Kilometer, rund 1490 Höhenmeter rauf, 1740 Höhenmeter runter

-19,3 km/h Durchschnitt

 

Tour: Bettwil- Samenstorf – Hilfikon – Villmergen – Dintikon – Othmarsingen – Schloss Lenzburg – Hunzenschwil – Suhr – Aargau – Niedergösgen – Obergösgen – Trimbach – Hauenstein-Ifenthal – Challhöchi – Belchenpass – Langenbruck – Mümliswil-Ramiswil – Scheltenpass – Schelten – Mervelier – Corban – Curchapoix – Vicques – Courroux – Delemont

Batterien gebraucht:       

 

Das Aufstehen ist mir auch schonmal leichter gefallen. Meine Beine fühlen sich auch am Morgen noch immer sehr schwer an von der gestrigen Etappe meiner E-Bike-Tour, und gleichzeitig habe ich mir für heute eine Etappe mit mehr Höhenmeter vorgenommen. Das Frühstück vom BnB Bettwil lässt mir jedoch keine Wünsche offen, und so starte ich gegen 9 Uhr mit vollem Magen bei durchzogenem Wetter nach Lenzburg.

Nach rund 45 Minuten erreiche ich das Schloss Lenzburg, wo ich mein YouMo parke und das Schloss inkl. Museum besichtige. Die Tour durchs Schloss ist sehr interaktiv und spannend, und ich würde jedem, der in der Nähe ist, den Besuch des Schloss Lenzburg wärmstens empfehlen. Nach rund 2 Stunden Schlossbesichtigung inkl. einer größeren Stärkung im Schlosscafe mache ich mich um die Mittagszeit ab nach Aarau. Obwohl ich erst wenige Kilometer absolviert habe, fühlen sich heute meine Beine sehr schwer an, ich trample weiter und hoffe, dass dies bald besser wird. Nach weiteren 45 Minuten erreiche ich Aarau, ich cruise mit dem YouMo durch die Gässlein der Innenstadt und mache noch ein obligatorisches Foto, bevor es weiter geht.

Nach Aarau fahre ich längere Zeit auf Velowegen, meist sind es kleinere Kiesstraßen der Aare entlag durch Niedergösgen, vorbei am Kernkraftwerk Gösgen, vorbei an Winznau bis nach Trimbach. Nach Trimbach folgt zugleich der erste kleinere Bergpreis der heutigen Etappe, der Pass Hauenstein. Obwohl es nur ein kleiner Pass ist, hat er doch schöne gross gezogene Kurven und ist bei Töfflifahrern sehr beliebt. Wie ein Wunder fühlen sich meine Beine seit dem Einstieg in den Hauenstein Pass frisch an, und ich verspüre überhaupt keine Müdigkeit mehr. Oben in Hauenstein angekommen, dachte ich, der grösste Teil sei geschafft, aber da habe ich mich gewaltig geiirt. Die steilsten Steigungen folgen erst noch. Zuerst geht es auf einer nicht asphaltierten Nebenstrasse quer durch den Wald mit gefühlten 20 Prozent Steigung rauf zur Challhöchi. Oben angekommen werde ich belohnt mit wunderbarem Panorama auf die Belchenflueh. Leider ist die Challhöchi noch nicht der höchste Punkt der Überfahrt und so folgen weitere Steigungen rauf auf den Belchenpass. Der obereste Teil des wenig befahrenen Belchenpass hat es nochmals so richtig in sich, und trotz E-Bike auf zweiter Stufe läuft mir der Schweiss nur noch runter. Damit ich und der Motor nicht überhitzen, lege ich eine kleine Pause vor der Passhöhe ein.

Endlich oben angekommen werde ich nochmals mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Ich nehme die rasante und lange Abfahrt in Angriff Richtung Langenbruck BL. Während der Abfahrt schweifen meine Blicke immer wieder über die Hügel von Basel Land, und ich bin doch sehr erstaunt, wie hügelig das Gebiet ist. Ich habe mir das Ganze irgendwie flacher vorgestellt.

Nach einer kurzen Pause in Langenbruck nehme ich den grossen Bergpreis in Angriff rauf auf den Scheltenpass. Dieser verbindet die Kantone Solothurn und Jura miteinander. Nach Mümliswil steigt die Strasse leicht an bis zur Kreuzung, wo entweder die Passwang oder der Scheltenpass befahren werden kann. Da ich nach Delemont will, bleibt mir keine andere Wahl als der Scheltenpass. Dieser zeigt sich am Anfang noch sanft, wird gegen Ende jedoch immer steiler und hat es vor allem im oberem Abschnitt in sich. Um die Batterie zu schonen, fahre ich den ganzen Pass auf Stufe eins. Mir läuft der Schweiss nur noch runter, und ich frage mich zum ersten Mal, wieso ich nicht die einfachere Route ohne Passüberquerung nach Delemont genommen habe. Oben angekommen ist der Gedanke schnell wieder vergessen, und ich nehme das letzte Teilstück durch die kleinen Dörfchen im Jura in Angriff. Nach rund 5,5 Stunden Fahrzeit erreiche ich abends um 19 Uhr gesund und glücklich Delemont.

Tag 3: 30.05.2018 Die Suche nach dem Creux du Van

 

-106,0 Kilometer, rund 1860 Höhenmeter rauf, 850 Höhenmeter runter

-20,0 Km/H Durchschnitt

 

Tour: Delemont – Courtételle – Courfaivre – Bassecourt – Glovelier – Saint-Brais – Montfaucon – Le Bemont – Saignelégier – Le Noirmont – Les Bois – La Ferrière – La Chaux de Fonds – Corbatière – La Sagne – Brot-Plamboz – Brot Dessus – Noiraigue – Travers

Batterien gebraucht:     

 

Der dritte Tag meiner Tour de Suisse startet mit wunderbarem Velowetter. Ich habe gut geschlafen, und auch meine Beine fühlen sich frisch an. Das sind einfach die Vorzüge eines YouMo! Ich freue mich auf meine Etappe und hoffe, am Abend Creux du Van in Neuenburg zu erreichen.

Nach einen reichhaltigen Frühstück vom BnB Passifleur in Delemont starte ich um 9 Uhr meine Tour. Die ersten 15 Kilometer gehen relativ flach das Tal entlang bis nach Glovelier. In Glovelier startet dann der Aufstieg ins Juragebirge nach Saint-Bras. Die Steigung ist am Anfang mit rund 12 Prozent recht stark, flacht dann aber kontinuierlich ab. Während rund 8 Kilometern absolviert man rund 450 Höhenmeter und steigt auf knapp 1000 Meter auf. Oben auf dem Gebirge angekommen fährt man entlang von verschiedenen kleinen Dörfchen und einer idyllischen Landschaft mit wunderbarer Aussicht. Auch der Verkehr entlang der Hauptstrasse hält sich in Grenzen, und so fühlt es sich an, als ob sich hier die Uhren ein wenig langsamer drehen.

Nach rund 3 Stunden fahrt quer durchs Jura Gebirge erreiche ich um die Mittagszeit La Chaux-de-Fonds. In einer empfohlenen Creperia auf TripAdvisor esse ich eine salzige Crepe zum Mittag und cruise danach durch die Stadt. In La Chaux-de-Fonds gibt es keine wirklich hübsche Altstadt, da die Stadt im 18. Jahrhundert durch einen Grossbrand komplett zerstört wurde. Danach wurde die Stadt nach amerikanischem Vorbild wieder schachbrettartig aufgebaut. Die Stadt wirkt auf mich irgendwie speziell mit den vielen Jugendstilbauten und ihren Ecken. Irgendwie erinnere ich mich an meine Amerikareise und an die amerikanischen Grossstädte, wo man einer Strasse bis zum Horizont nachschauen konnte. La Chaux-de-Fonds auf seinen 1000 Meter über Meer gelegen ist zudem eine der höchstgelegenen grösseren Städte Europas. Die Stadt ist vor allem durch ihre grosse Uhrenindustrie bekannt, und so entscheide ich mich, das Uhrenmuseum (Nr. 1 Rating auf Tripadvisior Bereich Aktivitäten) zu besuchen. Das Musée international d’horologie ist mit sehr vielen internationalen Uhrenexponaten ausgestattet und wirklich sehr spannend. Leider befindet sich ein grosser Teil davon gerade im Umbau, und das Museum ist nicht wirklich interaktiv gemacht. Wer sich jedoch für Uhren interessiert und in La Chaux-de-Fonds ist, sollte dem Museum unbedingt einen Besuch abstatten.

Nach meinem Museumsbesuch radle ich nachmittags um drei Uhr, bei bewölktem Himmel los. Schon ziemlich bald nach La Chaux-de-Fonds wird der Himmel schwarz über mir und es scheint so als sei ein grosses Gewitter im Anmarsch. Ich checke kurz den Regenradar und entschliesse mich, dem Gewitter davon zu radeln. Auf Stufe 2, damit ich mit rund 32 km/h vorankomme, fahre ich eine halbe Stunde bei Regentropfen, aber werde zum Glück nie richtig nass. Die Regenhosen lasse ich vorerst noch im Rucksack. Nach Brot-Plamboz tut sich der Himmel wieder auf, und die Sonne drückt durch. Ich habe mein Ziel Creux du Van immer noch vor Augen. Die Übernachtung im Restaurant Le Soliat 300 Meter vom Kraterrand entfernt habe ich bereits am Mittag gebucht. Um 17 Uhr komme ich in Noiraigue an, und meine Google Fahrrad Navigation zeigt mir noch rund 4,5 Kilometer und rund 600 Höhenmeter an bis zum Gipfel. Ich rechne mit einer Stunde und hoffe, um 18 Uhr auf dem Gipfel zu sein. Nach einer kurzen asphaltierten Strasse biege ich in einen kleinen Waldweg ein, welcher sehr steil ansteigt. Anfangs schaffe ich mit der vollen Unterstützung vom YouMo noch im kleinsten Gang zu trampeln. Die Steigung wird jedoch so steil, dass ich trotz Unterstützung keine Chance mehr habe und anfange das E-Bike zu schieben. Ich frage mich, wieso mir meine Google Fahrrad Navigation diesen Weg vorschlägt und fluche laut vor mich hin. Auch mit einem Bike-Velo und tieferen Gängen ist diese Steigung kaum machbar. Immer wenn ich wieder versuche, ein kleines Stück zu fahren, überhitzt der Motor vom E-Bike, und es bleibt mir nichts anderes übrig als zu schieben. Der Weg ist einfach viel zu steil für jede Art von Fahrzeug! Nach einer Stunde Kampf mit mir selber und dem YouMo komme ich an eine Lichtung mit einem Selbstbedienungsrestaurant an. Auf dem Navi sind es noch 1,8 Kilometer, und ich hoffe, dass der schlimmste Teil geschafft ist. Leider weit gefehlt. Es geht weiter in den Wald hinein, der Weg ist nur noch so einen halben Meter breit, und es geht immer steiler den Wald hinauf. Zuerst folgen Wurzelstöcke, dann grosse Steine. Ich weiss mittlerweile, dass ich mich auf dem Wanderweg und sicher nicht auf dem Veloweg befinde. Ich muss das Fahrrad samt Gepäck immer wieder über grosse Steine (wie Treppentritte hieven).

Irgendwann 1,2 Kilometer vor dem Ende wird der Weg so steil und unpassierbar, dass ich das Projekt Creux du Van nach 2 Stunden Kampf und unzähligen verlorenen Nerven abbrechen muss. Ich kämpfe mich mit dem Velo wieder den Berg herunter und bin sehr froh, als ich unten in Noiraigue wieder heil ankomme. Ich storniere die Unterkunft auf dem Creux du Van und finde noch ein kleines Zimmer in einen BnB in Travers. Als mich der Gastgeber in Travers empfängt und er mein dreckiges E-Bike inkl. meiner von Dreck verschmierten Beine sieht, erzähle ich ihm meine Geschichte und er schüttelt nur den Kopf und sagt mir, dass es unmöglich sei, diesen Wanderweg mit dem Velo raufzukommen. Ja, das liebe Creux du Van fordert mir bis jetzt alles ab, und so entscheide ich mich, morgen einen neuen Versuch mit einem von BnB Besitzer empfohlenen Veloweg in Angriff zu nehmen.

Tag 4: 01.06.2018 Die Sache mit dem richtigem Gepäck

 

-98.00 Kilometer, rund 2150 Höhenmeter rauf, 2150 Höhenmeter runter

-20,3 km/h Durchschnitt

 

Tour: Travers – Veloweg nach La Banderette – Le Soliat Creux du Van – Provence – Fresens – Concise – Poissine – Grandson – Yverdon-les-Bains – Pomy – Ursins – Orzens – Oppens – Rueyers – Bercher – Boulens – Montainere – Villars-Mendraz – Mézières – Servion – Forel

Batterien gebraucht:    

 

Beim morgendlichen Essen im BnB Villa Moncalme komme ich mit zwei Deutschen Tourenvelofahrern (beide 60 Jahre alt) ins Gespräch. Die beiden sind wie jedes Jahr, und das seit 30 Jahren, auf einer Ihrer Fahrradtouren (ohne E-Bike, wie beide gross betonen) unterwegs. Die beiden haben schon so jeden Pass in der Schweiz, Österreich, Italien und Frankreich befahren. Auf jeden Fall staune ich nicht schlecht über ihre Geschichten. Sie geben mir auch Tipps zur optimalen Packung und was auf jeden Fall dabei sein muss. Ich erzähle ihnen nicht ohne Stolz, dass ich bis jetzt alles, was ich brauche, dabei habe und mein Gepäck gar nicht so schwer ausgefallen ist. Dann kommt die Frage aller Fragen… Wir nehmen mal an, Reto, du hast Velogamaschen für die Schuhe dabei, falls es regnet? Ich schüttle den Kopf und erzähle ihnen, dass ich eine Regenjacke und Regenhose dabei habe und hoffe, dass es während der zwei Wochen meiner Tour nicht gross regnet! Für diese Antwort ernte ich höhnisches Gelächter der beiden und die folgende Bemerkung… Lieber Reto, wir kamen noch bei jeder Radtour so richtig in den Regen, und ohne Velogamaschen werden deine Füsse total durchnässt sein! Recht sollten die beiden haben, aber dazu später in diesem Bericht…

Erstmal starte ich bei bedecktem Himmel zum 2. Versuch rauf auf den Creux du Van. Diesmal ist die vom BnB Besitzer vorgeschlagene Route wirklich eine schöne Veloroute, und nach rund einer Stunde komme ich oben beim Creux du Van an. Gerade als ich oben ankomme, öffnet sich die Wolkendecke, und die Sonne kommt zum Vorschein. Was für ein wunderbarer Anblick, dieser «Grand Canyon» der Schweiz. Für diesen Anblick hat sich der Anstieg von heute Morgen definitiv gelohnt. Nach einem kurzen Rundgang und Snack vor dem Abgrund packe ich mein YouMo und mache mich auf den Weg nach Yverdon le Bais. Die Abfahrt vom Creux de Van nach Provence ist wunderbar schön mit dem Blick auf den Neuenburgersee. Ich fahre den Neuenburgersee entlang, durch Yverdon les Bains und quer durch den Kanton Waadt. Ich bin immer wieder erstaut über die vielen schönen kleinen Dörfchen und die Ortsnamen, von denen ich noch nie was gehört habe.

In Bercher, rund 20 Kilometer vor dem Ziel Forel, bedeckt sich der Himmel schlagartig, und es fängt an, wie aus Kübeln zu regnen. Ich schaffe es bei einem Bahnhof mit kleinem Selbstbedienungsrestaurant und kleinem Zoo Unterschlupf zu finden und fange an zu warten. Es schüttet und schüttet, und an eine Weiterfahrt ist vorerst nicht zu denken. Ich checke immer wieder den Regenradar und sehe, dass keine Besserung in Sicht ist. Bis nach Forel sind es noch ca. 1 Stunde Fahrt, und ich entschliesse mich nach rund 45 Minuten mit Regenanzug weiterzufahren, damit ich noch vor Einbruch der Dunkelheit in Forel ankomme. Schon nach kurzer Zeit bei strömendem Regen sind meine Schuhe komplett durchnässt, und ich bereue es, dass ich nicht solche Velogamaschen wie die Deutschen im Gepäck haben. Zum Glück bleibt mein Gepäck dank Plastiksäcken und Rucksacküberzug trocken, und ich komme noch pünktlich vor Einbruck der Dunkelheit in Forel an, wo ich bei einem Bekannten das Gästezimmer beziehen kann. Vielen Dank an dieser Stelle an Chrigä und Marco Schläppi, dass ich mich bei euch für eine Nacht einquartieren durfte.

Tag 5: 01.06.2018 Durch die Rebberge vom Kanton Waadt

 

-104,5 Kilometer, rund 1360 Höhenmeter rauf  730 Höhenmeter runter

-23,3 km/h Durchschnitt

 

Tour: Forel – Grandvaux – Riex – Espesses – Rivaz – Saint-Saphorin – Corseaux – Vevey – Clarens – Montreux – Villneuve – Roche – Aigle – Saint-Maurice – Evionnaz – Vernayaz – Martingy – Riddes – Coor – Nendaz – Veysonnaz

Batterien gebraucht:      

 

Tag 5 meiner Tour führt mich entlang des Genfersees bis nach Montreux und dann nach Wallis. Geplant sind rund 90 Kilometer mit dem Endziel Sion. Der Tag startet wieder einmal mit wunderbarem Velowetter – ich habe bisher soviel Glück, Petrus muss wohl ein Velofahrer gewesen sein. Nach einer kurzen Abfahrt von Forel nach Grandvaux bleibt mir schon ein erstes Mal der Atem weg, der Blick am Morgen hinunter auf den Genfersee mit den vielen kleinen Dörfern im Hang ist einfach wunderbar. Doch als wäre das schon nicht genug, folgt bis jetzt mein absolutes Streckenhighlight dieser Tour!

Die Fahrt durch die Weindörfer Riex – Espesses – Chexbres – Rivaz rund 200 Meter oberhalb vom Genfersee zwischen den Rebstöcken haut mich um. Ich muss immer wieder anhalten und ein paar Fotos schiessen. Diese Strecke am Hang ist absolut zu empfehlen für jeden, der eine Velotour in der Nähe vom Genfersee plant. Nach dieser wunderbaren Fahrt führt die Strecke direkt am See entlang durch Vevey nach Montreux und nach Villeneuve. Leider ist der Veloweg am See entlang von so vielen Touristen und Einheimischen bevölkert, dass man nur sehr langsam vorankommt und immer wieder abbremsen muss. Montreux wirkt auf mich sowieso wie eine Touristenhochburg, und ich bin froh, heil durch die Massen gekommen zu sein.

Nach Montreux komme ich auch an der Wasserburg Schloss Chillon vorbei, welches schon sehr majestätisch daherkommt. Obwohl ich erst 5 Tage auf meiner Tour bin, habe ich doch schon einige bekannte und auch unbekannte schöne Schlösser und Burgen gesehen. Mir fällt auf, dass die Schweiz ein Land voller Schlösser und Burgen ist. Meine Recherche im Internet ergab, dass es in der Schweiz noch rund 540 Schlösser und Burgen gibt. Da meine Tagestour noch eine Weile geht und viele Touristen vor dem Schloss Chillon anstehen (das meistbesuchte historisches Gebäude der Schweiz), verzichte ich auf den Rundgang im Schloss, schieße das obligatorische Foto und fahre weiter durchs Tal nach Martingy. 

Die Strecke geht gerade aus, und so fahre ich mit meinem YouMo eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 30-32 km/h und komme so zügig voran. Die Batterie ist bei Touren mit wenig Höhenmetern überhaupt kein Problem und reicht, wenn es geradeaus geht, gut für 100 Kilometer. In Martingy mache ich einen kurzen Kaffestopp auf dem Place Central und suche mir eine passende Unterkunft. Da sehe ich eine wunderbare Unterkunft mit kleinem Wellnessbereich in Veysonnaz auf rund 1200 Meter überm Meer mit Ausblick über Sion und entscheide mich spontan um. Ich nehme somit rund 1000 Höhenmeter mehr und 10 Kilometer mehr in Kauf. Die 1000 Höhenmeter verteilt auf rund 8 Kilometer haben es so richtig in sich, und nach Coor hat es einige Abschnitte mit einer solchen Steigung, dass da jedes E-Bike machtlos ist und mir wieder nichts anderes übrig bleibt, als einige Abschnitte das Fahrrad hoch zu schieben. Kaum steige ich wieder auf das E-Bike und versuche zu trampeln, überhitzt mir der Motor aufgrund der Steigung und es bleibt mir nichts übrig als zu warten, bis der Motor wieder abkühlt, oder einfach ohne Unterstützung zu trampeln. Zum ersten Mal entdecke ich auch eine Steigungstafel, wo sage und schreibe 50% angegeben ist! Ich denke zuerst, ich seh nicht recht, aber nun weiss ich, wie sich 50 Prozent Steigung anfühlen. Es wird mir auch klar, weshalb da keine Autos mehr passieren dürfen. Nach 1 ½ Stunden Kampf werde ich dafür mit wunderbarer Aussicht und einem kleinen Wellnessbereich belohnt. Die Anstrengungen sind schnell vergessen, und ich bin überzeugt, dass ich heute Nacht wieder einmal gut schlafen werde.

Tag 6: 02.06.2018 Verliebt in das Wallis

 

-112,2 Kilometer, rund 1380 Höhenmeter rauf, 1140 Höhenmeter runter

-24,4 km/h Durchschnitt

 

Tour: Veysonnaz – Vex – Euseigne – Vex – Saint-Léonard – Siders – Leuk – Getwing – Gampel-Bratsch – Raron – Visp – Stalden – St. Niklaus – Randa – Täsch – Zermatt

 

Nach dem gestrigen, beschwerlichen Aufstieg nach Veysonnaz freue ich mich heute Morgen auf die Abfahrt Richtung Vex. Die Aussicht auf Sion mit dem thronenden Schloss unten auf dem Tal ist wunderbar. Ich bin froh darüber, dass ich gestern schon die Höhenmeter gemacht habe, da auch mein nächster Zwischenstopp Euseigne rund 500 Meter oberhalb von Sion liegt und ich mir diese Höhenmeter sparen kann. Von Vex aus führt der Weg ziemlich gerade aus in den Talkessel hinein nach Euseigne. Und schon von rund 2 Kilometern Entfernung sehe ich zum ersten Mal die Pyramiden von Euseigne.

Von Weitem wirken die rund 15 Meter hohen Pyramiden nicht sehr spektakulär, je näher man jedoch kommt, umso mehr wird einem die Grösse bewusst. Vor allem die Durchfahrt durch den Tunnel der Pyramiden mit dem E-Bike ist schon speziell. Gemäß meiner Recherche sind die Pyramiden in der Endphase der Eiszeit vor rund 10’000 Jahren durch Erosionsprozesse entstanden und sind heute eine der bedeutendsten geologischen Sehenswürdigkeiten der Alpen. Außerdem stehen sie unter Naturschutz. Auf den Spitzen der Pyramiden gibt es zudem fest sitzende Felsbrocken, welche auf die Pyramiden drücken und sie vor der Witterung schützen. Sobald die Spitzen ihre Schutzkappen verlieren sind sie der Witterung ausgesetzt und werden innerhalb mehrerer Jahrzehnte oder Jahrhunderte wieder verschwinden. Es lohnt sich also diese vorher noch zu besuchen.

Ich radle mit dem YouMo noch kurz durch das Dörfchen Euseigne, kehre um und radle den Weg zurück nach Vex. Von Vex aus folgt die nächste spektakuläre und kurvige Talabfahrt auf der Route d’Hérens bis nach Saint-Léonard. In Saint-Léonard folgt bereits das nächste Highlight meiner Schweiz-Tour: Ich besuche den größten unterirdischen See von Europa. 10 CHF kostet das Bilett für die rund dreißigminütige Bootstour auf dem See. Die Grotte ist schön belichtet, und ich tauche direkt in eine andere Welt ein. Der Guide und Bootsführer in einem erzählt während der Fahrt die Geschichte des Sees. Durch die Höhle entsteht eine sehr spezielle Akustik, und monatlich finden auch Konzerte auf dem See statt, die vom Boot aus miterlebt werden können.

Nach diesem Erlebnis ist erstmal wieder Velofahren angesagt, und ich fahre rund 1 Stunde entlang der Rhone bis nach Visp, wo ich die Abzweigung Richtung Saas-Fee und Zermatt nehme. Nach einer kurzen flachen Passage nehme ich die erste mehr oder weniger steile Steigung in Angriff Richtung Stalden. Ich werde von einem Einheimischen aufgeklärt, dass Stalden der trockenste Ort der Schweiz sei. So recht glauben kann ich es nicht, aber meine Recherche im Internet bestätigt seine Aussagen, mit rund 545 mm regnet es in Stalden rund dreimal weniger als z.B. in Lugano mit einer Durchschnittsmenge von 1559 mm.

Nach Stalden und weiteren Aufstiegen durch die Dörfer St. Niklaus, Randa erreiche ich nach rund 1 ½ Stunden Täsch auf rund 1450 Meter gelegen. Täsch, die letzte Ortschaft vor Zermatt, ist übersäht von Parkhäusern, da hier für die meisten Autofahrer Endstation ist. Ins autofreie Zermatt kommen nur Fahrzeuge mit Bewilligung und natürlich Velos. So fahre ich durch Täsch durch und nehme die letzte Etappe mit nochmals 150 Höhenmeter nach Zermatt in Angriff. Obwohl ich mich auf der Straße ins autofreie Zermatt befinde, kommen mir doch im Minutentakt mehrere Autos entgegen mit einer Spezialbewilligung. Wie ich am Abend von zwei Damen, welche im Tourismusbüro in Zermatt arbeiten, erfahre, erhält jeder, der im Dorf wohnt oder der in Zermatt arbeitet, ziemlich einfach eine solche Bewilligung. Für Autofahrer ohne Bewilligung wird’s aber teuer.

Nach weiteren 20 Minuten von Täsch erreiche ich endlich Zermatt. Es hat bei mir sage und schreibe 28 Jahre gedauert bis ich zum ersten Mal das Matterhorn mit meinen eigenen Augen erblicke, und ich weiß jetzt, weshalb dieser Berg so eine Faszination bei Touristen und Bergsteigern gleichermaßen auslöst. An diesem majestätischen Anblick kann ich mich einfach nicht satt sehen, und so ertappe ich mich immer wieder als ich durch das Dorf Zermatt cruise, wie mein Blick automatisch rauf zum «Hörnli» geht. Akutell ist in Zermatt Zwischensaison, und irgendwie wirkt der Ort ein wenig ausgestorben. Auch viele Restaurants nehmen den Sommerbetrieb erst wieder ab Mitte Juni auf. Die zwei Damen vom Tourismusbüro erzählen mir, dass auch für die Einheimischen die Zwischensaison speziell ist. So erkennt man im Dorf auf einmal wieder den Nachbarn, wo sonst tagtäglich nur Touristenströme unterwegs seien. Zermatt zählt rund 5500 Einwohner und hat rund 32’000 Betten für Touristen zur Verfügung. Auf jeden Einwohner kommen in der Hochsaison somit knapp 6 Gäste. Mir gefällt Zermatt auch in der Nebensaison, und ich finde es schade, dass ich morgen schon wieder mit dem E-Bike abreise. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich für ein verlängertes Wochenende wiederkomme.

Tag 7: 03.06.2018 Die Sache mit den Alpenpässen in der Schweiz

 

-100,6 Kilometer, rund 950 Höhenmeter rauf,  1120 Höhenmeter runter

-26,1 Km/H Durchschnitt

 

Tour: Zermatt – Randa – St. Niklaus – Stalden – Visp – Brig – Bitsch – Mörel – Filet – Deisch – Lax – Fiesch – Niederwald – Blitzingen – Grafschaft – Reckingen – Glurlingen – Geschinen – Obergoms – Autoverlad Furka – Realp – Zumdorf – Hospental – Andermatt

 

Nach einer guten Nacht in Zermatt bin ich heute fest davon überzeugt, meinen ersten größeren Pass über 2000 Höhenmeter, den Grimselpass nach Meiringen, zu befahren. Als ich am Frühstückstisch sitze und meine genaue Fahrradroute studiere, fällt mir auf, dass der Grimselpass noch geschlossen ist. Anfang Mai vor meiner Fahrradtour habe ich extra noch die Pässe nachgeschaut, und bei allen Pässen wurde angegeben, dass sie voraussichtlich am 01.06.2018 öffnen. Nur leider ist die Schneeräumung aufgrund eines langen Winters in Verzug, und so sind neben dem Grimselpass auch meine Alternativpässe Nufenen und Sustenpass geschlossen. Einzig der Autoverlad über Furka hat geöffnet. Mir bleibt also nichts anderes übrig als zum ersten Mal auf meiner Tour ein Teilstück mit einer Bahn zu absolvieren. Die Dame von der Matterhorn-Gotthard Bahn, welche den Autoverlad in Furka betreibt, bestätigt mir am Telefon, dass es auch möglich ist, das Velo zu verladen und dann von Realp weiterzureisen.

So wird aus meinem heutigen geplanten Endziel Meiringen wohl nichts, und ich nehme Kurs Richtung Autoverlad Furka und entscheide mich dann spontan, wo ich übernachte. Von Zermatt aus geht es den 30 km langen Weg von gestern zurück ins Tal nach Visp. In Visp nehme ich die Abzweigung Richtung Brig, und nach kurzer Fahrt erreiche ich das durch die Medien berühmte Dorf Bitsch. Nach Bitsch folgen die Dörfer Mörel, Filet, Betten und Fiesch, von denen man per Seilbahn die Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp erreicht. Nimmt man von der Fiescheralp noch die Bahn auf das Eggishorn, hat man einen wunderbaren Ausblick über den Aletsch Gletscher, den flächenmäßig größten und längsten Gletscher der Alpen. Mir bleibt keine Zeit für einen Ausflug auf Egishorn, und so trample ich weiter bei kontinuierlicher Steigung ins Oberwallis.

Ab Grafschaft geht es rund 15km fast geradeaus im Oberwallis vorbei an verschiedenen kleinen, urigen Dörfchen. Angekommen in Obergoms geht’s direkt auf den Auto- bzw. Veloverlad nach Realp. In Realp angekommen nehme ich die Abfahrt Richtung Andermatt und entschließe mich auf dem Weg dazu, in Andermatt zu übernachten. Seit der ägyptische Investor Sawiris in Andermatt kräftig investiert (man spricht von rund 150-200 Millionen bis zum Ende des Projekts), soll da ja Aufbruchstimmung herrschen, und ich will mir selbst ein Bild vor Ort machen. Beim Einchecken im Hotel in Andermatt frage ich bei der Rezeptionistin nach, ob sich die Buchungszahlen in den letzten Jahren verändert haben. Freudig gibt sie mir Auskunft, dass sich die Buchungen in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt haben und vor allem ein ganz anderes Klientel als früher den Ort besucht. Auch meine Recherche im Internet bestätigt mir, dass es rund 5,89 % mehr Hotelübernachtungen im letzten Jahr in Andermatt gegenüber dem Vorjahr gegeben hat. Nach einem feinen typischen schweizerischen Abendessen im chn (absolut zu empfehlen) in Andermatt, mache ich noch einen Abstecher in die Bar des 5 Sterne Hotels Chedi, dem Luxusresort von Investor Samih Sawiris. Das Hotel ist wie zu erwarten stylisch und stilvoll eingerichtet, und man fühlt sich mit den hohen Decken wie in einem Palast, es ist einfach von A-Z alles top. Nur sind es, wie zu erwarten, die Preise auch, und so bezahle ich für meinen Cocktail 20 CHF (Trinkgeld noch nicht eingerechnet). Die Luxussuite schlägt mit 15’000 CHF zu buche, das günstigste Zimmer ist für 520 CHF pro Nacht zu haben. Eine Übernachtung da werde ich mir wohl in nächster Zeit nicht leisten wollen…

Tag 8: 04.06.2018 Über Umwege ins Berner Oberlad

 

-103,1 Kilometer, 2090 Höhenmeter rauf, 2800 Höhenmeter runter

-21,0 km/h Durchschnitt

 

Tour: Andermatt – Göschenen – Wassen – Gurtnellen – Silenen – Erstfeld – Altdorf – Seedorf – Isleten – Bauen – Fähre von Bauen nach Rütli – Rütli – Seelisberg – Emmetten – Oberdorf Beckenried – Buochs – Stans – Dallenwil – Wiesenberg – Ächerlipass – Kerns – Flüeli-Ranft

Batterien gebraucht:      

 

Tag 8 der Schweiz Tour startet mit einer rasanten rund 25 Kilometer langen Abfahrt entlag der Reuss durch die Schöllenschlucht. Nach der Teufelsbrücke haben es die eng gezogenen Passkurven der Gotthardstrasse in sich und ich versuche ganz Sportsmann eben mit dem YouMo mit den Autofahrern mitzuhalten. Und bis auf ein Mercedes gewinne ich den Abfahrspreis, da ich mit dem YouMo schneller und wendiger um die Passkurven komme als die Autos. Unten im Urnertal angekommen geht es dem Tal entlag Richtung Altdorf wo ich dann links Richtung Seedorf abbiege. Ich fahre direkt an der Seestrasse bis nach Bauen und geniesse den wunderbaren Ausblick über den Vierwaldstättersee. Von Bauen aus zeigt mir mein Fahrradnavi einen schmalen Weg an, welcher direkt entlag der Felswand steil nach oben führt. Zur Sicherheit frage ich bei einem Einheimischen nach, ob ich da mit dem Fahrrad nach Seelisberg komme. Er schüttelt wehement den Kopf und meint, das es rund 100 Treppenstuffen nach oben gehe und das es sicher nicht für Fahrräder geeignet sei. Er empfiehl

Tag 8 der Schweiz Tour startet mit einer rasanten, rund 25 Kilometer langen Abfahrt entlang der Reuss durch die Schöllenenschlucht. Nach der Teufelsbrücke haben es die eng gezogenen Passkurven der Gotthardstrasse in sich, und ich versuche – ganz Sportsmann eben – mit dem YouMo mit den Autofahrern mitzuhalten. Und bis auf einen Mercedes gewinne ich den Abfahrtspreis, da ich mit dem YouMo schneller und wendiger um die Passkurven komme als die Autos. Unten im Urnertal angekommen geht es dem Tal entlang Richtung Altdorf, wo ich dann links Richtung Seedorf abbiege. Ich fahre direkt an der Seestrasse bis nach Bauen und genieße den wunderbaren Ausblick über den Vierwaldstättersee. Von Bauen aus zeigt mir mein Fahrradnavi einen schmalen Weg an, welcher direkt entlang der Felswand steil nach oben führt. Nach dem Wanderweg im Creux du Van frage ich zur Sicherheit bei einem Einheimischen nach, ob ich da mit dem Fahrrad nach Seelisberg komme. Er schüttelt vehement den Kopf und meint, dass es rund 100 Treppenstufen nach oben gehe und es sicher nicht für Fahrräder geeignet sei. Er empfiehlt mir das Schiff von Bauen nach Rütli zu nehmen und dann dort den steilen, aber für ein E-Bike passierbaren Kiesweg nach Seelisberg zu nehmen. So kommt neben meinem Veloverlad beim Furka auch noch eine kleine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee dazu.

Von Bauen aus steuert das Kursschiff nach rund 10 Minuten die Anlegestelle Rütli an. Auf dem Schiff bin ich der einzige Velofahrer, und so werde ich von einer Gruppe Senioren angesprochen, was ich denn genau hier mache – ich erzähle von meiner Tour und erkläre ihnen mein E-Bike. Beim Rütli staunen die wartenden Besucher nicht schlecht, als ich als erstes mit dem E-Bike vom Schiff gehe. Von der Anlegestelle geht es den Kiesweg steil hinauf bis zur Rütliwiese, wo ich ein obligatorisches Foto schieße und mich für die Höhenmeter bis nach Seelisberg innerlich vorbereite. Der Rütliweg bis nach Seelisberg ist wirklich sehr steil und für eine gemütliche Fahrradtour nicht zu empfehlen. Auf dem rund 5 km langem Kiesweg macht man rund 500 Höhenmeter, wird dafür mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Enlang dem Hochplateau geht es bis nach Emmetten, wo dann die Abfahrt nach Oberdorf Beckenried folgt. Ich entscheide mich spontan, bei Beckenried einen Stopp einzulegen und ein kurzes Bad im Vierwaldstättersee zu nehmen. Danach geht’s weiter nach Stans und von da aus Richtung Kerns.

Anstatt der Talsohle entlang zu fahren, habe ich mir vorgenommen, den relativ unbekannten Ächerlipass zu befahren. Bevor es jedoch nochmals rund 1000 Höhenmeter bergauf geht, hole ich mir nochmals Stärkung in einem Shop in Stans. Es ist sowieso unglaublich, was ich die letzten Tage an Nahrung und Flüssigkeit zu mir nehme. Hier eine kurze Auflistung: Jeden Morgen ausgiebig Frühstücken (normalerweise esse ich überhaupt nicht viel Frühstück, da ich noch keinen Bissen herunterbringe am Morgen), nach 2 Stunden Fahrt erste Pause mit 1 Banane und 1 Sportriegel, mittags ausgiebiges Menü im Restaurant, nachmittags nochmals 2 Sportriegel plus etwas Süßes, abends ausgiebig Nachtessen. Dazu nehme ich rund 6 Liter Flüssigkeit am Tag zu mir. Wenn ich also in einem Shop einkaufe, sieht es aus, als ob ich mich gerade für eine Kriegszeit vorbereite… Auf jeden Fall lange ich im Shop in Stans wiedermal so richtig zu und bin später froh darüber.

Nach Dallenwil geht es richtig steil bergauf nach Wiesenberg. Von Wiesenberg kommt übrigens der bekannte Jodelklub Wiesenberg, der mit der Cover-Version von Ewigi Liebi sogar in der Hitparade vertreten war. Zum Glück ist die Straße für Autofahrer momentan wegen Bauarbeiten gesperrt, und so kann ich sie ganz für mich nutzen. Da es anfangs so steil bergauf geht, muss ich in einem «S» die Strasse hoch fahren. Während der Passfahrt fängt es zudem noch an zu regnen, und ich muss richtig gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfen, dass ich nicht umkehre und die gemütliche Route entlang des Tales nehme. Nach einer kurzer Gewitterfront tut der Himmel jedoch auf und meine Stimmung bessert sich mit jedem Meter, den ich näher der Passhöhe komme. Oben angekommen habe ich einen wunderbaren Ausblick, und die Strapazen sind schnell vergessen. Nach rund 13 km Abfahrt von der Passhöhe erreiche ich abends um 19:00 Uhr endlich meine Unterkunft in Flüeli Ranft. Flüeli Ranft liegt auf einer Anhöhe über dem Sarnersee und bietet einen wunderbaren Ausblick auf die Melchtaler Berge. Das Dorf ist zudem die Heimat des Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüeh, bekannt als Bruder Klaus, und somit eine beliebte Pilgerstädte für Gläubige. Das Dorfbild von Flüeli Ranft gehört zum Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Hier lasse ich mich heute im Gasthaus Paxmontana nieder und freue mich auf meine morgige Etappe.

Tag 9: 05.06.2018 Die nie enden wollende Passstrasse auf die Grosse Scheidegg

 

-74,6 Kilometer, 2100 Höhenmeter rauf, 1700 Höhenmeter runter

-17,8 km/h Durchschnitt

 

Tour: Flüeli-Ranft – Sachseln – Ednisried – Giswil – Kaiserstuhl – Lungern – Brünigpass – Meiringen – Zwingli – Rosenlaui – Grosse Scheidegg – Grindelwald

Batterien gebraucht:      

 

Meine heutige Tour führt mich über zwei Alpenpässe nach Grindelwald. Obwohl kilometermäßig nicht sehr lang, habe ich doch gewissen Respekt für diese Etappe mit zwei Alpenpässen. Am Morgen startet die Tour mit einer kurzen Abfahrt nach Sachseln, dann vorbei am Sarnersee nach Giswil, von Giswil steigt die Brünigstrasse leicht an bis zum Lungerersee.

Ich fahre nicht der Hauptstraße entlang auf direktem Weg auf der Brünigstrasse, sondern nehme den Veloweg um den Lungernersee. Dieser Kiesweg am See entlang, abseits vom Verkehr auf der Brünigstraße, ist wunderschön und absolut für eine Velotour zu empfehlen. Nach dieser Verschnaufspause fahre ich bei Lungern wieder auf die Brünigstraße, um den Brünigpass auf 1008 Metern über dem Meeresspiegel zu bezwingen, welcher die Kantone Bern und Obwalden miteinander verbindet. Die Steigung ist mit durchschnittlich 4,2% sehr human, und es sind von Giswil aus «nur» rund 450 Höhenmeter, welche es zu überwinden gibt.

Nach diesem ersten Pass ist mein Körper warmgelaufen für die grosse Herausforderung vom heutigen Tag: die Bezwingung der Grossen Scheidegg, welche Meiringen im Haslital mit Grindelwald verbindet. Die Grosse Scheidegg ist für den Autoverkehr gesperrt und wird nur vom Postauto befahren. Dies macht die einspurige Grosse Scheidegg zu einem beliebten Ziel für Velofahrer. Von Meiringen (595 Meter über dem Meeresspiegel) aus gehts es rund 19 Kilometer nur bergauf mit einer ziemlich happigen Steigung. Auf diesen 19 Kilometern macht man rund 1400 Höhenmeter bis zur Passhöhe auf 1962 m.ü.M. Mein Fahrradnavi gibt mir als ungefähre Zeit rund 2 ½ Stunden an, und ich bin fest überzeugt, diese Etappe in kürzerer Zeit zu erledigen. Ich fahre auf kleinstmöglicher Unterstützung, und so fühlt sich mein E-Bike mit dem ganzen Gepäck an wie ein normales Velo. Vor allem auf den letzten Kilometern kämpfe ich um jeden Meter, und es fühlt sich an, als ob der Pass nie enden wolle. Ich muss nach jedem Kilometer immer wieder anhalten und kurz verschnaufen, da ich keine Kraft mehr in den Beinen habe.

Ich bin richtig erleichtert, als ich nach rund 2 ½ Stunden Fahrzeit die Passhöhe erreiche. Die Zeit vom Navi zu unterbieten, war am heutigen Tag nicht drin. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, diese Passüberfahrt in nächster Zeit mit einem normalen Velo zu wiederholen und frage mich, wie die Radprofis ohne Stopp einen 19 Kilometer langen Pass mit einem solch horrenden Tempo bezwingen können. Ich lasse diese Fragen im Raum stehen und freue mich auf meine bevorstehende Abfahrt.

Die rund 8 Kilometer lange Abfahrt nach Grindelwald fahre ich in einem gemütlichen Tempo, da die etwas in die Jahre gekommen Strasse mit einigen Schlaglöchern keine rasante Abfahrt zulässt. So habe ich Zeit, um das Bergpanorama um Grindelwald mit Eiger, Mönch und Jungfrau zu genießen, und entdecke neben der Passstrasse, wie ein Fuchs Murmeltiere jagt. Ich halte kurz an und beobachte das Spektakel, das einmalig ist. Nach rund einer halben Stunde erreiche ich Grindelwand und sehe seit dem Start meiner Schweiz-Tour zum ersten mal wieder meine Freundin. Sie hat gerade zwei Freitage und ist mit dem Zug nach Interlaken angereist, hat dort bei Flying Wheels in Interlaken ein YouMo für zwei Tage gemietet und ist von Interlaken aus nach Grindelwald geradelt. Wir erkunden nach einer Dusche gemeinsam mit unseren YouMos Grindelwald und freuen uns darauf, morgen einen Teil meiner Tour gemeinsam zu fahren.

Tag 10: 06.06.2018 Umgeben von Chinesen auf dem Jungfraujoch

 

-53,6 Kilometer, 169 Höhenmeter rauf, 1050 Höhenmeter runter

-22,2 km/h Durchschnitt

 

Tour: Grindelwald – Burglauen – Lütschental – Gündlisschwand – Gsteigwiler – Wilderswil – Interlaken – Därlingen – Leissingen – Faulensee – Spiez – Gwatt – Thun

Batterien gebraucht:      

 

Da wir beide noch nie auf dem Jungfraujoch on Top of Europa gewesen sind, haben wir am Vorabend beschlossen, heute gemeinsam ohne YouMos dort hinauf zu gehen. Doch wie von meinem Vater bereits vorgewarnt, wird das ein teures Vorhaben. Die Fahrt mit dem Zug von Grindelwald auf die Kleine Scheidegg und von der Kleinen Scheidegg rauf aufs Jungfraujoch kostet ohne Vergünstigung sage und schreibe 219.00 CHF für eine Person. Es gibt jedoch sogenannte Early Bird Tickets (wie beim Open-Air), die günstiger sind, dafür muss man auf das erste oder zweite Bähnli am Morgen gehen und um die Mittagszeit wieder vom Jungfraujoch abreisen. Für eine Person hin und retour ohne Halbtax kostet dies 135.00 CHF, und für eine Person mit Halbtax noch 85.00 CHF. Auch diese Early Bird Preise finden wir noch überrissen, und die hilfsbereite Dame am Schalter versteht uns auch. Auch sie findet die Preise, welche in diesem Jahr nochmals erhöht wurden, eine Frechheit. Wir fragen Sie zudem noch, wie die Verteilung zwischen Schweizer und Touristen ist, die das Jungfraujoch besichtigen, und sie meint, vom Gefühl her seien es über 90 Prozent Touristen aus dem Ausland, vor allem aus dem Raum Asien.

Am Morgen heißt es bei uns also: Um 06:30 Uhr aufstehen, frühstücken und um 07:41 mit der zweiten Bahn ab Grindelwald zu fahren. Schon morgens früh ist die Bahn gestoßen voll, und wir kommen uns wie Fremde vor. Vom Gefühl her sitzen im Zug rund 95% Asiaten, und wir sind die zwei einzigen Schweizer, die aufs Jungfraujoch wollen. Auch der Kondukteur schaut uns ein wenig schräg an, als wir in Mundart und nicht in Englisch antworten. Oben auf dem Jungfraujoch angekommen, genießen wir das Panorama über den Aletschgletscher. Leider ist der Tag wolkenverhangen, und so sehen wir die Spitze der Jungfrau und des Mönch nicht. Das Panorama über den Aletschgletscher ist jedoch wunderbar. Auch die Ausstellung auf dem Jungfraujoch und die Eisskulpturen sind hübsch gemacht… Mehr jedoch auch nicht! Also kommen wir bald wieder unten in Grindelwald an.

Mein Fazit nach diesem Ausflug aufs Jungfraujoch fällt gnadenlos aus. Total überrissene Preise und Massentourismus aus Asien sind definitiv nichts für mich. Zudem bin ich der Überzeugung, dass wir so viele schöne Berge/Aussichtspunkte in der Schweiz haben, wo man auch ein wunderbares Panorama genießen kann für einen Bruchteil von dem, was wir fürs Jungfraujoch bezahlt haben. Ich empfehle da allen Lesern lieber meinen Hausberg, den Säntis im Alpstein  (ohne GA/Halbtax Hin und zurück 45.00 mit Halbtax/GA für 22.50 CHF) zu besichtigen als fürs Jungfraujoch nach Grindelwald zu fahren.

Unten in Grindelwald angekommen, packen wir um die Mittagszeit unsere YouMos und fahren aus dem Tal hinaus nach Interlaken. Da es praktisch nur bergab geht oder geradeaus erreichen wir in rund 45 Minuten Interlaken. Von dort aus geht es weiter dem Thunersee entlag. Wir picknicken direkt am See und fahren weiter nach Spiez, wo wir nachmittags noch ein kühles Blondes genießen. Hier trennen sich leider unsere Wege, und meine Freundin fährt zurück nach Interlaken und ich weiter nach Thun. Von Thun aus gehts dann morgen weiter Richtung Innerschweiz.

Tag 11: 07.06.2018 Durchs Emmental nach Luzern

 

-119,5 Kilometer, 600 Höhenmeter rauf, 690 Höhenmeter runter

-27,2 Km/H Durchschnitt

 

Tour: Thun – Heimberg – Brenzikofen – Oberdiessbach – Freimettingen – Niederhünigen – Zäziwil – Signau – Langnau im Emmental – Trubschachen – Eschenholzmatt – Schürpfheim – Hasle – Entlebuch – Wolhusen – Malters – Emmen – Luzern – Meggen – Sunset Bar Luzern – Meggen

Batterien gebraucht:      

 

In der Nacht auf heute hat es kräftig geregnet, und der Tag startet mit einem wolkenverhangenen Himmel. Die Abreise gestern von meiner Freundin, die rund 120 zu absolvierenden Kilometer und das schlechte Wetter drücken auf meine Motivation, und ich habe das erste Mal Mühe, mich auf den Sattel zu schwingen und loszuradeln. Was ich während der Tour gelernt habe ist, die Tagesetappe immer in kleinere Etappen mit Zwischenzielen zu unterteilen und nicht immer auf dem Display zu schauen, wieviele Gesamtkilometer noch zu absolvieren sind. Und dann einfach Kilometer für Kilometer zu nehmen – so ist dann jede Etappe machbar.

Leider bekomme ich heute von der Natur und Umgebung im Emmental nicht viel mit, da die Hügel auf beiden Seiten von Nebel bedenkt sind. So versinke ich in eigene Gedanken und radle in gleichmäßigem Tempo der Hauptstrasse entlang. In Trubschachen fahre ich vorbei an der Firma Kambly, und schon von weitem steigt ein wohlig riechender Duft von der Güetzliproduktion in meine Nase. Nach Trubschachen fahre ich quer durch das schöne Entlebuech, da es aber so bewölkt ist, bekomme ich auch hier von der Umgebung und der Natur nicht so viel mit. Erst als ich gegen Nachmittag Richtung Luzern radle, tut sich der Himmel auf und die Sonne beginnt durchzudrücken.

Als ich gegen vier Uhr in Luzern ankomme und mir einen Aperitiv bei der Kappelerbrücke gönne, scheint endlich wieder die Sonne. Luzern ist für mich persönlich eine der schönsten Städte der Schweiz. Die Lage direkt am Vierwaldstättersee, die hübsche Altstatt, die Kappelerbrücke, das Panorama mit den Bergen und dann noch die freundlichen Luzerner, all das führt dazu, dass ich mich in Luzern pudelwohl fühle. Während ich den Aperitiv genieße, mache ich mich wie jeden Tag auf die Suche nach einer Unterkunft. Da die günstigen Hotelzimmer ohne großen Komfort in Luzern bei 140.00 CHF pro Nacht starten, entschließe ich mich, ein wenig außerhalb von Luzern zu nächtigen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie teuer einfache Unterkünfte und Zimmer in der Schweiz sind. Meine günstigste Übernachtung auf der Reise war für rund 55 CHF in einem einfachen Zimmer mit Etagendusche. In Menggen finde ich ein B&B für 80 CHF pro Nacht inkl. Frühstück direkt am See gelegen. So radle ich noch die rund 8 Kilometer von Luzern nach Meggen und werde von Frau Sigrist, der Inhaberin vom B&B Weingut Letten, freundlich begrüsst. Die Entscheidung, außerhalb von Luzern zu übernachten, war goldrichtig. Das B&B ist direkt am See mitten in einem Rebberg gelegen und hat einen privaten Badeplatz direkt am See. Nach einem Bad im Vierwaldstättersee und dem Abend in der Sunset Bar Luzernfalle ich wieder einmal müde in mein Bett.

Tag 12: 08.06.2018 Der Klausenpass fordert mich nochmals richtig

 

-110,0 Kilometer, 2020 Höhenmeter rauf, 2020 Höhenmeter runter

-24,9 Km/H Durchschnitt

 

Tour: Meggen – Küssnacht an der Riggi – Arth – Goldau – Seewen – Brunnen SZ – Morschach – Sisikon – Flüelen – Altdorf – Bürglen – Unterschächen – Klausen Passhöhe – Urner Boden – Linthal – Rüti – Bettschwanden – Luchsingen – Nidfurn – Glarus Süd – Glarus

Batterien gebraucht:        

(Zwischenladung auf Klausenpasshöhe)

 

Die heutige Tour von Meggen nach Glarus hat es kilometermäßig und höhenmetermäßig so richtig in sich. Zudem steht mein letzer Alpenpass, der bei Mottoradfahrern beliebte Klausenpassauf dem Programm. Nach dem Start in Meggen führt mich meine Tour entlang dem Zugersee und dem Lauerzersee Richtung Brunnen SZ. Von Brunnen aus fährt das Kursschiff regelmässig direkt zum Rütli und ist deshalb bei Touristen, welche das Rütli besuchen als Startpunkt sehr beliebt. Brunnen mit seinem kleinen Dorfkern mit vielen Restaurants, Bars und Shops für Touristen lädt sehr zum Verweilen ein.

Nach einer kurzen Pause in Brunnen radle ich den Vierwaldstättersee an der Ostseite entlang Richtung Flüelen. Von Flüelen nach Altdorf, wo ich den Abzweiger Richtung Bürglen und Klausenpass nehme. Von Aldorf aus sind es 24 Kilometer bis zur Passhöhe, dabei werden 1609 Höhenmeter bewältigt. Bei bewölktem Wetter mit kleinster Unterstützung (damit der Motor nicht überhitzt) benötige ich für den Pass rund 2 ½ Stunden, bis ich oben total nassgeschwitzt ankomme. Im Restaurant Hotel Klausenpasshöherecherchiere ich im Internet, wie lange Radprofis für den Klausenpass benötigen. In 2008 fand bei der Tour de Suisse ein Zeitfahren von Altdorf auf den Klausenpass statt, welches von Roman Kreuziger in 1 Stunde und 22 Sekunden gewonnen wurde. Er war dabei mit rund 24 Stundenkilometern im Schnitt unterwegs den Pass hinauf, für mich eine unvorstellbare Geschwindigkeit, wenn ich trotz Unterstützung mit rund 10 km/h mich den Berg hinauf kämpfe und dabei alle 2-3 Kilometer wieder eine kurze Pause einlegen muss, um zu verschnaufen. Ein Radprofi macht jedoch im Jahr rund 30’000-40’000 Kilometer, was einem Durchschnitt von 82-109 Kilometern pro Tag entspricht.

Ich werde während der Tour rund 1400 Kilometer zurücklegen, und mit der Vorbereitung schaffe ich es dieses Jahr auf rund 2’000 absolvierte Kilometer mit dem E-Bike. Mit rund 15x weniger Trainingskilometern, darf ich auch rund 1,5 mal so lang für einen Pass benötigen wie ein Radprofi und mache mich bereit für die Abfahrt. Die kurvenreiche Abfahrt auf der Ostseite des Klausenpass macht so richtig Spass, und nach einem flachen Zwischenabschnitt auf dem Urnerboden geht es im gleichen Stil weiter bis nach Linthal. Entlang dem Fluss Linth geht es noch rund 17 Kilometer weiter, bis ich mein heutiges Tagesziel Glarus erreiche. In Glarus werde ich bereits von einem guten Freund erwartet, welcher mir einen Besuch auf meiner Tour abstattet. Ich freue mich auf ein gutes Abendessen und ein paar Drinks in Glarus.

Tag 13: 09.06.2018 Rückfahrt nach Winterthur durch Turbenthal

 

-90,3 Kilometer, 980 Höhenmeter rauf, 1020 Höhenmeter runter

-24,9 Km/H Durchschnitt

 

Tour: Glarus – Netstal – Näfels – Niederurnen – Ziegelbrücke – Kaltbrunner – Uznach – Eschenbach SG – Berg – Wald ZH – Gasthaus Alp Scheidegg – Fischenthal –  Bauma- Wila – Turbenthal – Hutzikon – Zell – Kyburg – Winterthur – Oberohringen – Unterohringen

Batterien gebraucht:      

 

Da es gestern Nacht ein wenig später wurde, geht es heute erst gegen 11 Uhr los. Ich bin froh, dass ich gestern zum Schluss noch ein wenig Wasser getrunken habe und so keine grossen Nachwirkungen verspüre. Die Route führt heraus aus dem Glarnerland bis nach Niederurnen. Danach geht es auf der rechten Seite im Kanton St. Gallen der Linth entlang bis nach Uznach. Die Route entlang der Linth ist ein schöner gerader Veloweg, und entlang der Linth hat es immer wieder kleine Wiesen mit Badeplätzen, die sehr zum Baden einladen. Von Uznach im Kanton St. Gallen geht es hinauf vorbei an der Gemeinde Berg in Richtung Wald im Kanton Zürich.

Ich entscheide mich auf dem Weg dazu noch zu einem Abstecher auf die Alp Scheidegg. Dieses höchstgelegene Gasthaus vom Kanton Zürich wollte ich schon lange einmal besuchen, und da ich heute durch Wald fahre, entschließe ich mich spontan, die paar zusätzliche Höhenmeter in Kauf zu nehmen. Vom Wald geht es eine 6 Kilometer lange Strecke hinauf zur Alp Scheidegg auf 1200 Meter über dem Meer gelegen. Die ersten 4 Kilometer sind gut machbar, und die Steigung ist sehr bescheiden, dafür sind die letzten beiden Kilometer umso härter. Auf den letzten 2 Kilometern beträgt die Steigung im Durchschnitt 16%, und so muss ich mehrmals wieder eine Pause einlegen, bis ich oben ankomme. Die Aussicht auf den Zürichsee von der Alp Scheidegg ist jedoch atemberaubend schön. Von der Alp Scheidegg starten zudem im Minutentakt Gleitschirmflieger. Das Restaurant mit wunderbarer Terrasse ist sehr schön gestaltet, und auch das Essen ist sehr fein. Ich gönne mir ein Alp Scheidegg Cordon-Bleu mit Gemüse und Pommes bevor ich den letzten Teil meiner Tour in Angriff nehme.

Nach der Abfahrt von der Alp Scheidegg fahre ich durch das obere Tösstal entlang der Gemeinden Fischenthal, Bauma, Wila und Turbenthal. Der Veloweg führt größtenteils direkt an der Töss entlang und ist wirklich zu empfehlen für eine Sonntags-Velotour. Nach Turbenthal folgen die Dörfer Zell und Kyburg. Oben auf dem Hügel steht das berühmte Schloss Kyburg, welches für einen Besuch absolut zu empfehlen ist.

In Winterthur fahre ich direkt durch die schöne Altstadt, und seit ich in der Nähe von Winterthur wohne, weiß ich, dass sich die zweitgrösste Stadt im Kanton Zürich bezüglich eines kulturellen Angebots, Aktivitäten und Restaurants nicht verstecken muss. Neben dem alljährlichen Albani Fest, dem Streetfoodfestival, der Winterthurer Musik Festwochen, dem Afro-Pfingen, dem Winterthurer Oktoberfest lockt seit diesem Jahr auch das Winterthurer Frühlingsfest viele Besucher an. Winterthur hat sich längst von einer Industriestadt (Sulzer, Rieter etc.) zu einer Bildungs-, Freizeit- und Kulturstadt gewandelt. Die ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften mit ihrem Hauptstandort in Winterthur ist mittlerweile die drittgrößte Hochschule im Kanton Zürich, und der Kanton plant weitere 500 Millionen Franken in den Hochschulstandort Winterthur zu investieren bis ins Jahr 2025. Winterthur ist also bereit für die Zukunft.

Nach meiner Fahrt durch Winterthur folgt der letzte kleine Abschnitt bis nach Unterohringen. Gegen Abend um sechs Uhr erreiche ich mein Zuhause und den Startort der Tour müde aber überglücklich. Vor allem bin ich überwältigt von den verschiedenen Eindrücken, welche ich von der schönen Schweiz gewonnen habe und bin froh, dass ich ohne Sturz und Verletzung und ohne größere Pannen die Tour wie geplant beenden konnte.

Vielen Dank an dieser Stelle an die Firma YouMo und an deren Inhaber Knut Späte, welche mich in meinem Projekt vom Anfang an unterstützt haben und mir ihr richtig cooles E-Bike für diese Tour zur Verfügung gestellt haben. Nun wünsche ich euch, liebe Leser und Leserinnen dieses Blogs, viel Spaß auf eurer nächsten Fahrradtour (natürlich mit dem YouMo ;)) und hoffe, dass ich euch einige neue Inputs und Ideen für eure Route geben konnte!

Tourendaten Total

 

Total Kilometer: 1353,2

Totale Höhenmeter rauf: 17540

Total Höhenmeter runter: 17540

2xHöhe von Mount Everest von Meer bis zur Spitze

Reine Fahrzeit: 62 Stunden

Anna Enderes

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